Z herbstwa Serbstwa | Objekt des Monats 09_26: Hochzeitsbitterschärpe
Hochzeitsbitterschärpe der Muskauer Heideregion
Twjelka, übersetzt Handtuch, heißt um Schleife und Cottbus die handgewebte etwa einen halben Meter breite und dreieinhalb Meter lange Hochzeitbitterschärpe. Auch für die Kirchspiele Muskau, Klitten und Nochten ist sie belegt. Ihre Verwandschaft mit dem ostslawischen Ruschnik als traditionelles Hochzeitstuch wird von Volkskundlern bestätigt. Auch die archaischen Muster und Symbole weisen Ähnlichkeiten auf. Paradehandtücher gibt es seit dem 17. Jahrhundert aber auch im deutschsprachigen Raum.
Die Hochzeitsbitterschärpe von 1845 ist nur zur Hälfte erhalten und wurde nachträglich für Dekorationszwecke mit Hängeschlaufen versehen. Die rot-grünen Wollstickereien wie etwa der Dreispross und das Sonnenkreuz mit geschweiften Rand weisen in ihrer Typik auf das Schleifer Kirchspiel. In den geometrischen, stilisierten Mustern erkennt man des Weiteren Hirschdarstellungen und das biblische Josua- und Kaleb-Motiv als Fruchtbarkeits- und Hoffnungs-zeichen. Drei Sterne mit verstecktem weißen Andreaskreuz und die an den Hexenstich angelehnten Kreuzstichranken lassen die Vermutung zu, dass hier von der Stickerin, in der Regel der Braut, magische Zeichen gegen den neidischen Bösen Blick eingestickt wurden.
Die Schärpe war Teil eines Konvolutes aus der Muskauer Heide, das nach der Dresdner Ausstellung des Sächsischen Handwerks und Kunstgewerbes 1896 in den Bestand des 1900 gegründeten Wendischen Museums in Bautzen übernommen wurde.
- Hochzeitsbitterschärpe der Muskauer Heideregion, SM-B-000358
- handgewebtes Leinenfragment, mit Hängeschlaufen
- Kreuz-, Stielstich-und Tambourstickerei, Hohlsaum, geknüpfte Fransen
- 1845
