Z herbstwa Serbstwa | Objekt des Monats 08_26: Kaffeeservice mit Widmung
Zwischen 1820 und 1945 bestanden in Schlesien fast 50 Porzellanfabriken. Zu den größten gehörten die Unternehmen von Karl Krister und Carl Tielsch in Waldenburg (heute Wałbrzych), die in ihrer Blütezeit jeweils rund 1.500 Mitarbeiter beschäftigten. Ihre Produkte erfreuten sich einer solchen Beliebtheit, dass sie um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in nahezu jedem Haushalt in Deutschland zu finden waren.
Schlesisches Porzellan wurde häufig zu Jubiläen und Familienfesten verschenkt. Typisch waren beispielsweise Tischgedecke mit der Aufschrift „Zur Hochzeit“. Jeder Sorbe, der es sich leisten konnte, konnte zu einem solchen Anlass ein entsprechendes Geschirrset erwerben. Im Handel waren jedoch ausschließlich Geschirrteile mit deutschen Aufschriften erhältlich.
In unserer Sammlung befindet sich übrigens ein Service mit einer Widmung: auf der Kanne „Zur Erinnerung an den 14. Juni 1870 von A. und M. Maetting in Liebe übergeben“ und mit den Namen auf den Tassen in sorbischer Sprache. Jemand hatte dafür gesorgt, dass das junge Paar anlässlich seiner Hochzeit am 14. Juni 1870 ein Andenken in seiner Muttersprache erhielt.
Das vorgestellte Geschirr macht deutlich, dass die sorbische Sprache ein Fundament der Identität bildet und dass ihre Bewahrung mehr Aufwand erfordert als lediglich einen Einkauf im Laden.
- Kaffeeservice, SM-V-009320 A
- Kaffeekanne: Porzellanfabrik Karl Krister, Waldenburg (Schlesien), wokoło 1870
- Tassen und Untertassen: Firma Carl Tielsch & Co., Altwasser / Waldenburg (Schlesien), um 1870
