Z herbstwa Serbstwa | Objekt des Monats 11_2026
Als Millionen keinen Heller wert waren
Diese drei Bestellquittungen für den Bezug der sorbischen Tageszeitung Serbske Nowiny dokumentieren die beispiellose Teuerung während der Hyperinflation 1923 sowie deren Überwindung zum Jahreswechsel 1923/1924.
Die Mark des Deutschen Reiches befand sich seit der kriegsbedingten Aussetzung der Goldeinlösungspflicht für Banknoten 1914 in einem schleichenden Inflationsprozess. Kriegsschulden und -folgelasten, Reparationsleistungen an die Siegermächte und die politische Instabilität der Nachkriegszeit belasteten die Währung zusätzlich. Die Finanzierung staatlicher Defizite durch Reichsbankkredite blähte die Geldmenge auf und entwertete die Mark weiter. Die alliierte Ruhrbesetzung im Januar 1923 und der passive Widerstand der dortigen Industriearbeiter setzte den Geldwert der Mark letztlich über den Jahresverlauf in freien Fall.
An den gezeigten Quittungen der Serbske Nowiny ist diese Entwicklung gut zu verfolgen: Bereits im Juni 1923 kostete der monatliche Bezug 900 Mark, im November war er auf 55 Milliarden angestiegen. Zum Höhepunkt der Inflation Mitte November 1923 kostete eine Einzelausgabe 3 Milliarden Mark. Die Einführung der Rentenmark am 15. November 1923 beendete schlagartig die weitere Inflation. Der Wert der Rentenmark wurde auf 1 Billion “Papier”-Mark festgesetzt – das entspricht wertmäßig einer Vorkriegs-“Gold”-Mark. Trotz der Krise erschienen die Serbske Nowiny 1923 ohne Unterbrechung und steigerten ihre Abonnementenzahl sogar auf 7.000.
- Quittungen für Serbske Nowiny, Juli und November 1923 sowie Juni 1924
- SM-V-010493
- SM-V-010494
- SM-V-010495



