Z herbstwa Serbstwa | Objekt des Monats 4_26: Soraborum Saluti!
Soraborum Saluti!
… war die Grußformel der Sorabia, ursprünglich Wendisches Predigerkollegium zu Leipzig genannt, der ältesten Studentenverbindung Deutschlands. Was 1716 als Vereinigung des evangelischen theologischen Nachwuchses begann, der sich in der sorbischen Predigt übte, wandelte sich im 19. Jahrhundert zur Lausitzer Prediger-gesellschaft als Korporation mit Kommers – studentischer Kneipe, jedoch ohne Mensur – Fechten. In ihrer sorbischen Sektion Sorabicum fanden bis nach der Jahrhundertwende sorbische Sprachübungen statt. Die Vereinigung, 1909 in Sorabia umbenannt, existierte bis 1936. Heute folgen ihrer Tradition die Landsmannschaft Sorabia-Westfalen Münster und die sorbische Studentenvereinigung Sorabija Lipsk.
Ende 2025 gelang es dem Sorbischen Museum, seine umfangreiche Studentika-Sammlung zur Sorabia um weitere Objekte studentischen Brauchtums zwischen 1882 und 1924 zu erweitern. Diese zieren der Zirkel „SS!“ – die Abkürzung für die Grußformel Soraborum Saluti! – Heil den Sorben! – sowie das Wappen der Sorabia. Es zeigt eine Sichel, klanglich angelehnt an das sorbische Wort Serb für Sorbe. Die Widmungen sind Teil der Schenkungsrituale zwischen Leibburschen und Leibfux – erfahrenen und jungen Studenten. Sie gehörten Johannes Georg Handrick (1860-1946) aus Kubschütz, ab 1882 Subsenior und Vorsitzender der Sektion Sorabicum, sorbischer Pfarrer in Milkel und Gaußig und dessen Sohn Friedrich Georg Handrick (1902-1979) Pfarrer in Neukirch. In dessen Generation verlor sich die sorbische Sprache. Georg Handrick schenkte das Konvolut vor seinem Tode seinem Nachbarn.
Studentica-Konvolut der Sorabia Leipzig aus dem Nachlass von Pfarrer Georg Handrick aus Neukirch, erworben von Friedemann Gerling
- Goldring mit eingraviertem Zirkel “SS!” und Couleur
- Fotoalbum mit Sorabia-Wappen (ohne Fotos) mit Widmung für J. Handrick von Fr. Ronnerberg, 1909
- Bierseidel mit Sorabia-Wappen und Motto “Semper virius servetur “ – Werde immer stärker – Widmung von Senior Johann Bartke für G. Handrick, Weihnachten 1921, Emailmalerei
- Zwei Bierzipfel, anonymer Schenker an J. Handrick 1882/83 und Johannes Bartke an G. Handrick, 1921, Weinzipfel des gleichen Schenkers, Weihnachten 1924, Ripsseide, Silber graviert
- Brieföffner mit Couleur unbekannter Korporation, gewidmet J. Handrick
- Couleurkarte
- Vier Couleurbänder
- Zwei Kommers-Liederbücher 1906 und o.J.
- Deutsch-wendisches Gesprächsbuch zum Erlernen sorbischer Sprachfloskeln, 1920
SM-V-011976 – 011986, SM-P-002525, SM-B-008687-008689
29.03.2026, 16 Uhr: Farben, Künstler und Geschichten – entdecken Sie mit uns die sorbische bildende Kunst!
Am Sonntag, den 29.03.2026, lädt das Sorbische Museum zu einer besonderen Führung durch die Galerie der bildenden Kunst ein. Lassen Sie sich von eindrucksvollen Werken inspirieren und erfahren Sie mehr über die Künstlerinnen und Künstler sowie die Geschichten, die hinter den Bildern stehen. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen verschiedene Perspektiven der sorbischen Kunst zu erkunden.
- Führung in deutscher Sprache: 16:00 Uhr
- Führung in sorbischer Sprache: 17:00 Uhr
- Es führt: Christina Bogusz, Direktorin
Objekt des Monats 3_26: Homers „Ilias” und „Odyssee” in sorbischer Sprache
Wer gebildet sein will und Sprachpfleger heißen möchte / auch Pfleger unserer sorbischen Sprache – sollte Homer kennenlernen! – lesen wir im Vorwort für Homers „Ilias”. Das kann nicht anders sein. Die „Ilias“ von Homer ist das Fundament der europäischen Kultur. Gleich hinter ihr folgt ihre jüngere Schwester, die „Odyssee”. Beide Meisterwerke wurden vom altlutherischen Geistlichen Matej Urban (1846-1931) ins Obersorbische übersetzt. Das Schicksal der homerischen Epen war bei den Sorben jedoch anders als das der Originalwerke: Als erste erschien in sorbischer Sprache 1921 die “Odyssee”, die „Ilias“ veröffentlichte Urban ein Jahr später. Um die Idee der Übersetzung bildete sich das „Komitee für die Ausgabe des Sorben-Homers“, dem unter anderem Jurij Hejduška/Georg Heduschke und Ota Wićaz/Otto Lehmann angehörten. Die Endkorrektur der Texte wurde von Arnošt Muka/Ernst Mucke durchgeführt. Ihre Leistung trug zur Förderung der wissenschaftlichen Entwicklung des Sorbischen bei. Heute sind beide Epen sowohl Denkmal als auch Schatzkammer der sorbischen Sprache.
Die Gesänge Homers sollten den Sorben besonders nahestehen – dank der Forschungen von Milman Parry und Albert Lord sowie ihrer Nachfolger wissen wir, dass beide aus der mündlichen Kultur stammen und ohne Kenntnis der Schrift entstanden sind. Die Forschungen haben der traditionellen Erzählkultur viel Anerkennung und Ehre gebracht. Heute diese Kultur als „Folklore“ zu bezeichnen, ist nicht mehr korrekt. Hört euch nun an, wie die ersten Verse der „Ilias” im altgriechischen Original und in der sorbischen Übersetzung klingen!
- Objekt des Monats 03/26: Homerowa Ilijada: Übersetzung und Herausgabe von M. Urban; Bautzen 1922; SM-B-003923
- Objekt des Monats 03/26: Homerowa Odyseja: Übersetzung und Herausgabe von M. Urban; Bautzen 1921; SM-B-000078
18.03.2026, 15 Uhr: Kaffee um Drei „Helga Graupner – Gute Bilder sind Bekenntnisse“
„Die sieben Schönen“ und weitere textile Kunstwerke entstanden unter Anleitung der Textilkünstlerin Helga Graupner in der Fördergruppe am Haus für Sorbische Volkskunst. Der Vortrag skizziert ein eindrückliches Lebensbild einer kreativen und engagierten Streiterin für eine qualitätvolle textilkünstlerische Arbeit im Amateurbereich der DDR.
Referentinnen:
- Dr. Dagmar Neuland-Kitzerow, Volkskundlerin, ehemalige Kustodin am Museum Europäischer Kulturen in Berlin
- Petra Helbig, Textilkünstlerin und Kunstpädagogin
Bautzener KammerKonzerte am 28.02.2026 um 19.30 Uhr
Was uns verbindet – Trio al-Andalus
Yara Abou Fakher Violine
Patricia Muñoz Vella Viola
Johann von Ruthendorf Violoncello, Perkussion
Das »Trio al-Andalus« vereint die sanften Klänge eines klassischen Streichtrios mit den würzigen Klangfarben der arabischen Tradition, kraftvollen Rhythmen voller spanischem Flair und zeitgenössischen Elementen aus dem Bereich des Jazz und der Improvisation. Die verschiedenen Einflüsse verschmelzen mit musikalischen Perlen der Volksmusik. Melodien und Rhythmen aus dem Mittelmeerraum werden neu interpretiert und erscheinen in all ihrer Weisheit und Tiefe in einem neuen Licht.
In ihrem Konzertprogramm »Was uns verbindet« begeben sich die drei MusikerInnen gemeinsam mit dem Publikum auf eine Reise von innen nach außen. Gefühlvolle Melodien und feurige Improvisationen verweben sich mit Erzählungen und persönlichen Geschichten. Gemeinsam werden Freude und Schmerz,
Tod und Leben erkundet – und damit das, was den Menschen wirklich ausmacht: das, was uns über alle Ländergrenzen hinweg verbindet. Patricias Heimat, Andalucía, dient für das Trio als Inspiration für das, was möglich sein kann, wenn Menschen miteinander arbeiten.
Stellenausschreibung
Das Sorbische Museum, als eine nachgeordnete Einrichtung des Landkreises Bautzen, sucht für die Stelle der Projektassistenz (m_w_d)_K 2025-176, für das Großprojekt „Sorbisches Wissensforum am Lauenareal“, eine Elternzeitvertretung. Die Bewerbungsfrist endet am 01.03.2026, siehe Onlineformular. Nähere Informationen unter: Jobs und Ausbildungsplätze – Landkreis Bautzen
Ferienprogramm und Sonntagsführung
10.02.2026, 10-12.30 Uhr: Ferienprogramm Hinterglasmalerei
Wie entsteht eine Hinterglasmalerei? Schritt für Schritt lernen wir diese Kunsttechnik kennen und gestalten ein eigenes Bild zum Mitnehmen. Ab 7 Jahren, Kosten 6,50 €, bitte mit Voranmeldung.
22.02.2026 ab 16 Uhr: Thematische Führung am Sonntag
Jeden letzten Sonntag des Monats bietet das Museum eine Führung nach thematischen Schwerpunkten an, um 16 Uhr in deutscher Sprache, anschließend um 17 Uhr in sorbischer Sprache. Die erste Führung zu sorbischen Trachten ist am 22.2.2026 ab 16 Uhr. Wir bitten um Voranmeldung.
Z herbstwa Serbstwa – Objekt des Monats 02/26
Dieses feine Aquarell über Bleistift von Gustav Täubert zeigt das Forsthaus Piskowitz, eingebettet in eine ruhige, lichtdurchflutete Waldszenerie. In monochromer Sepia-Malweise fängt Täubert die Atmosphäre des Ortes meisterhaft ein. Die Darstellung im kleinen Format beweist die präzise Hand eines Künstlers, der sowohl Landschaften als auch Architektur gekonnt in Szene setzte.
Das Gebäude selbst, vermutlich das Wohnstallhaus An der Försterei 12 in Piskowitz, liegt auf einer kleinen Anhöhe, umgeben von Bäumen und Buschwerk. Heute ist das Fachwerk im Obergeschoss verputzt, das Krüppelwalmdach und der kleine Anbau sind jedoch noch erkennbar. Laut einer Auflistung von Baudenkmälern in der Gemeinde Nebelschütz, zu welcher Piskowitz gehört, wird es als baugeschichtlich bedeutsam eingestuft.
Friedrich Ludwig Gustav Täubert (*1817 – †1913) war ein vielseitiger Dresdner Künstler: Architektur- und Landschaftszeichner, Stecher, Lehrer und Verleger. Nach seinem Studium an der Dresdner Akademie eröffnete er einen Kunstverlag am Altmarkt 8 in Dresden und fertigte zahlreiche Ansichten sächsischer Landschaften und Gebäude an, unter anderem für die Sammelwerke Saxonia, Sachsens Kirchen-Galerie und Vaterland der Sachsen. Besonders seine Darstellungen der Sächsischen Schweiz machten ihn bekannt, denn sie trugen maßgeblich zur touristischen Erschließung der Region bei. Das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden besitzt eine große Anzahl an Zeichnungen, Stichen und Aquarellen des Künstlers Gustav Täubert.
- Gustav Täubert, Forsthaus zu Piskowitz bei Schmeckwitz, Aquarell über Bleistift, 1880.
- 12,6 cm x 20,6 cm
- SM-V-011967
Winterklassik 23.-25.1.2026
Konzertreihe Winterklassik 2026:
- 23.01.2026 um 19 Uhr „Echo der wandernden Seelen“
- 24.01.2026 um 19 Uhr: „Zwischen Schweigen und Klang“
- 25.01.2026 um 11 Uhr: „Exil und Identität“
www.winterklassik.com
„Z herbstwa Serbstwa | Objekt des Monats“: Kleine sorbische Geige
Dieses Exemplar einer kleinen sorbischen Geige, auch “Schleifer Fidel” oder “Hochzeitsfidel” genannt, wird dem Instrumentenbaumeister Hans Jordan aus Markneukirchen zugeschrieben. Sie wurde nach Entwürfen des Crostwitzer Uhrmachers und Enthusiasten für sorbische Volksmusikinstrumente Jurij Mencl/Georg Menzel (*1903; +1951) angefertigt. Die Signatur am Geigenboden weist als Baujahr 1947 aus.
Mehrere konstruktive Merkmale dieser Geige weichen von der althergebrachten Bauweise ab. Besonders auffällig ist der untypische Steg zwischen den Schalllöchern, welcher offensichtlich einer klassischen Konzertvioline entnommen ist: er verfügt über vier Saitenkerbungen, obwohl eine sorbische Geige nur mit drei Saiten bespannt wird. Es fehlt außerdem das dritte Loch in der Geigendecke, durch welches bei einer traditionellen kleinen sorbischen Geige ein Füßchen des Steges bis an den Innenboden reicht und somit Decke und Boden verbindet. Darüber hinaus ist auf der Unterseite der Geigendecke ein Bassbalken angebracht – eine weitere Annäherung an den Aufbau der klassischen Konzertgeige. Derlei Merkmale spiegeln Menzels Bestreben wider, die traditionellen sorbischen Streichinstrumente baulich und musikalisch zu “vervollkommnen” und somit durch Modernisierung zu bewahren. Damit zeugt dieses Instrument vom Übergang der traditionellen Volksmusikpraxis zur professionalisierten Folklore, welche 1952 in der Gründung des Staatlichen Ensembles für sorbische Volkskultur mündete – ein Jahr nach Menzels frühem Tod.
- Kleine sorbische Geige, Markneukirchen, 1947
- 27 cm x 49 cm
- SM-V-005922








