Objekt des Monats 3_26: Homers „Ilias” und „Odyssee” in sorbischer Sprache
Wer gebildet sein will und Sprachpfleger heißen möchte / auch Pfleger unserer sorbischen Sprache – sollte Homer kennenlernen! – lesen wir im Vorwort für Homers „Ilias”. Das kann nicht anders sein. Die „Ilias“ von Homer ist das Fundament der europäischen Kultur. Gleich hinter ihr folgt ihre jüngere Schwester, die „Odyssee”. Beide Meisterwerke wurden vom altlutherischen Geistlichen Matej Urban (1846-1931) ins Obersorbische übersetzt. Das Schicksal der homerischen Epen war bei den Sorben jedoch anders als das der Originalwerke: Als erste erschien in sorbischer Sprache 1921 die “Odyssee”, die „Ilias“ veröffentlichte Urban ein Jahr später. Um die Idee der Übersetzung bildete sich das „Komitee für die Ausgabe des Sorben-Homers“, dem unter anderem Jurij Hejduška/Georg Heduschke und Ota Wićaz/Otto Lehmann angehörten. Die Endkorrektur der Texte wurde von Arnošt Muka/Ernst Mucke durchgeführt. Ihre Leistung trug zur Förderung der wissenschaftlichen Entwicklung des Sorbischen bei. Heute sind beide Epen sowohl Denkmal als auch Schatzkammer der sorbischen Sprache.
Die Gesänge Homers sollten den Sorben besonders nahestehen – dank der Forschungen von Milman Parry und Albert Lord sowie ihrer Nachfolger wissen wir, dass beide aus der mündlichen Kultur stammen und ohne Kenntnis der Schrift entstanden sind. Die Forschungen haben der traditionellen Erzählkultur viel Anerkennung und Ehre gebracht. Heute diese Kultur als „Folklore“ zu bezeichnen, ist nicht mehr korrekt. Hört euch nun an, wie die ersten Verse der „Ilias” im altgriechischen Original und in der sorbischen Übersetzung klingen!
- Objekt des Monats 03/26: Homerowa Ilijada: Übersetzung und Herausgabe von M. Urban; Bautzen 1922; SM-B-003923
- Objekt des Monats 03/26: Homerowa Odyseja: Übersetzung und Herausgabe von M. Urban; Bautzen 1921; SM-B-000078


