Z herbstwa Serbstwa | Objekt des Monats: Wandlungen eines Heidedorfes. Was bleibt?
Die sorbischen Dörfer der Lausitzer Heide erlebten seit den 1950er Jahren massive Veränderungen. Bis ins frühe 20. Jahrhundert zum Beispiel erfolgte das Dreschen des Getreides als Handdrusch mit Dreschflegel. Etwa 30 Wochen, ab Ende September bis Anfang Mai, wurde auf der Tenne das Getreide gedroschen. Mit Einführung der fahrbaren Dreschmaschinen verloren die Tagelöhner ihre Dauerbeschäftigung über die Wintermonate.
Auf der Aufnahme von Groß Partwitz im Jahr 1965 ist die Dreschmaschine „Dechentreiter JD 76“, das Bestücken der Maschine mit Getreidegarben und das Absacken des Getreides zu sehen. Bereits 1924 wurde die erste Druschgemeinschaft gebildet. Der Gastwirt Kubenz schaffte eine größere Dreschmaschine an, die von den Beteiligten entsprechend ihrer Ackerfläche anteilig bezahlt wurde. Während der Saison beschäftigte man zwei Druschmeister. Einen ständigen Druschplatz gab es nicht, sondern man fuhr die Maschine von Haus zu Haus. In Groß Partwitz wurde 1958 die erste LPG “Roter Stern” gegründet, welche die Umstrukturierung der Landwirtschaft beabsichtigte. Bereits 1960 arbeitete Groß Partwitz als vollgenossenschaftliches Dorf durch die LPG “Neue Zeit”.
Von 1967 bis 1969 unternahm das Institut für sorbische Volksforschung ethnografische Untersuchungen bezüglich des gesellschaftlichen Wandlungs-prozesses. Die Fotografie ist eines von 230 Objekten, welche während der Sammlungsaktion 1968/69 dem Museum übergeben wurden. Grund war die Devastation von Groß Partwitz 1969/70.
- Fotografie von Gudrun Kubenz um 1965, Fotopapier, 12,3 x 17 cm. Die Rückseite der Aufnahme trägt eine handschriftliche Notiz: Auf dem Dreschplatz in Groß Partwitz. SM-F-004931
- Handgewebter Leinensack, grobe Leinwand mit zwei buntfarbigen Webstreifen, 60 x 95 cm, 1925, Groß Partwitz. Die Leinwandbindung ist die älteste und stabilste Bindungsart. Jede Familie besaß ein bestimmtes Muster zur Wiedererkennung der Getreidesäcke. Vorbesitzerin Anna Salmann, Zeißig, Kreis Hoyerswerda. SM-V-003787 D
- Gross Partwitz – Wandlungen eines Lausitzer Heidedorfes. Schriftenreihe des Instituts für sorbische Volksforschung, Band 45, 1976. SM-B-001562
17.5.2026, 10-18 Uhr: Internationaler Museumstag – Eintritt frei
Zum Internatioanlen Museumstag können Sie ganztägig das Museum kostenfrei besuchen. Neben der Dauerausstellung zur Geschichte und Kultur der Sorben werden zwei thematische Sonderausstellungen präsentiert. Nutzen Sie auch die kostenlosen Audio- und Videoguides, welche durch die Bereiche der ständigen Ausstellung führen. Um 16 Uhr laden wir zur Kuratorenführung in deutscher und um 17 Uhr in sorbischer Sprache ein.
16-17 Uhr: Führung “Nowa Doba – Neues Zeitalter” – Die Sorben in der Nachkriegszeit und frühen DDR
Von Bodenreform bis Kollektivierung, von Separatismus bis Sorbengesetz, von Volkstreffen bis Volksaufstand – wohl kein anderes Jahrzehnt in der sorbischen Geschichte weist eine derartig wechselhafte Fülle bedeutender Ereignisse und Entwicklungen auf wie die Jahre von 1945 bis 1955. Der Museologe Alexander Polk bietet einen Einblick in die Historie eines bewegten Jahrzehntes, welches die sorbische Kultur nachhaltig prägte.
11.4.2026, 13-17 Uhr: Aktionstag des Kunsthandwerks – ETAK
Zum Aktionstag des Kunsthandwerks werden besondere Techniken gezeigt, die einst zu den klassischen Handarbeiten und zum Hauswerk gehörten:
* Reparieren von Rohrgeflecht-Stühlen
* Modeldruck
* Spinnen
* Sticken
* Ostereierverzieren in der Ätztechnik
An einigen Stationen kann so manches selbst ausprobiert werden.
16 + 17 Uhr: Führung im Museum.Die Veranstaltung findet im Rahmen der Europäischen Tage des Kunsthandwerks statt.
Z herbstwa Serbstwa | Objekt des Monats 4_26: Soraborum Saluti!
Soraborum Saluti!
… war die Grußformel der Sorabia, ursprünglich Wendisches Predigerkollegium zu Leipzig genannt, der ältesten Studentenverbindung Deutschlands. Was 1716 als Vereinigung des evangelischen theologischen Nachwuchses begann, der sich in der sorbischen Predigt übte, wandelte sich im 19. Jahrhundert zur Lausitzer Prediger-gesellschaft als Korporation mit Kommers – studentischer Kneipe, jedoch ohne Mensur – Fechten. In ihrer sorbischen Sektion Sorabicum fanden bis nach der Jahrhundertwende sorbische Sprachübungen statt. Die Vereinigung, 1909 in Sorabia umbenannt, existierte bis 1936. Heute folgen ihrer Tradition die Landsmannschaft Sorabia-Westfalen Münster und die sorbische Studentenvereinigung Sorabija Lipsk.
Ende 2025 gelang es dem Sorbischen Museum, seine umfangreiche Studentika-Sammlung zur Sorabia um weitere Objekte studentischen Brauchtums zwischen 1882 und 1924 zu erweitern. Diese zieren der Zirkel „SS!“ – die Abkürzung für die Grußformel Soraborum Saluti! – Heil den Sorben! – sowie das Wappen der Sorabia. Es zeigt eine Sichel, klanglich angelehnt an das sorbische Wort Serb für Sorbe. Die Widmungen sind Teil der Schenkungsrituale zwischen Leibburschen und Leibfux – erfahrenen und jungen Studenten. Sie gehörten Johannes Georg Handrick (1860-1946) aus Kubschütz, ab 1882 Subsenior und Vorsitzender der Sektion Sorabicum, sorbischer Pfarrer in Milkel und Gaußig und dessen Sohn Friedrich Georg Handrick (1902-1979) Pfarrer in Neukirch. In dessen Generation verlor sich die sorbische Sprache. Georg Handrick schenkte das Konvolut vor seinem Tode seinem Nachbarn.
Studentica-Konvolut der Sorabia Leipzig aus dem Nachlass von Pfarrer Georg Handrick aus Neukirch, erworben von Friedemann Gerling
- Goldring mit eingraviertem Zirkel “SS!” und Couleur
- Fotoalbum mit Sorabia-Wappen (ohne Fotos) mit Widmung für J. Handrick von Fr. Ronnerberg, 1909
- Bierseidel mit Sorabia-Wappen und Motto “Semper virius servetur “ – Werde immer stärker – Widmung von Senior Johann Bartke für G. Handrick, Weihnachten 1921, Emailmalerei
- Zwei Bierzipfel, anonymer Schenker an J. Handrick 1882/83 und Johannes Bartke an G. Handrick, 1921, Weinzipfel des gleichen Schenkers, Weihnachten 1924, Ripsseide, Silber graviert
- Brieföffner mit Couleur unbekannter Korporation, gewidmet J. Handrick
- Couleurkarte
- Vier Couleurbänder
- Zwei Kommers-Liederbücher 1906 und o.J.
- Deutsch-wendisches Gesprächsbuch zum Erlernen sorbischer Sprachfloskeln, 1920
SM-V-011976 – 011986, SM-P-002525, SM-B-008687-008689
29.03.2026, 16 Uhr: Farben, Künstler und Geschichten – entdecken Sie mit uns die sorbische bildende Kunst!
Am Sonntag, den 29.03.2026, lädt das Sorbische Museum zu einer besonderen Führung durch die Galerie der bildenden Kunst ein. Lassen Sie sich von eindrucksvollen Werken inspirieren und erfahren Sie mehr über die Künstlerinnen und Künstler sowie die Geschichten, die hinter den Bildern stehen. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen verschiedene Perspektiven der sorbischen Kunst zu erkunden.
- Führung in deutscher Sprache: 16:00 Uhr
- Führung in sorbischer Sprache: 17:00 Uhr
- Es führt: Christina Bogusz, Direktorin
Objekt des Monats 3_26: Homers „Ilias” und „Odyssee” in sorbischer Sprache
Wer gebildet sein will und Sprachpfleger heißen möchte / auch Pfleger unserer sorbischen Sprache – sollte Homer kennenlernen! – lesen wir im Vorwort für Homers „Ilias”. Das kann nicht anders sein. Die „Ilias“ von Homer ist das Fundament der europäischen Kultur. Gleich hinter ihr folgt ihre jüngere Schwester, die „Odyssee”. Beide Meisterwerke wurden vom altlutherischen Geistlichen Matej Urban (1846-1931) ins Obersorbische übersetzt. Das Schicksal der homerischen Epen war bei den Sorben jedoch anders als das der Originalwerke: Als erste erschien in sorbischer Sprache 1921 die “Odyssee”, die „Ilias“ veröffentlichte Urban ein Jahr später. Um die Idee der Übersetzung bildete sich das „Komitee für die Ausgabe des Sorben-Homers“, dem unter anderem Jurij Hejduška/Georg Heduschke und Ota Wićaz/Otto Lehmann angehörten. Die Endkorrektur der Texte wurde von Arnošt Muka/Ernst Mucke durchgeführt. Ihre Leistung trug zur Förderung der wissenschaftlichen Entwicklung des Sorbischen bei. Heute sind beide Epen sowohl Denkmal als auch Schatzkammer der sorbischen Sprache.
Die Gesänge Homers sollten den Sorben besonders nahestehen – dank der Forschungen von Milman Parry und Albert Lord sowie ihrer Nachfolger wissen wir, dass beide aus der mündlichen Kultur stammen und ohne Kenntnis der Schrift entstanden sind. Die Forschungen haben der traditionellen Erzählkultur viel Anerkennung und Ehre gebracht. Heute diese Kultur als „Folklore“ zu bezeichnen, ist nicht mehr korrekt. Hört euch nun an, wie die ersten Verse der „Ilias” im altgriechischen Original und in der sorbischen Übersetzung klingen!
- Objekt des Monats 03/26: Homerowa Ilijada: Übersetzung und Herausgabe von M. Urban; Bautzen 1922; SM-B-003923
- Objekt des Monats 03/26: Homerowa Odyseja: Übersetzung und Herausgabe von M. Urban; Bautzen 1921; SM-B-000078
18.03.2026, 15 Uhr: Kaffee um Drei „Helga Graupner – Gute Bilder sind Bekenntnisse“
„Die sieben Schönen“ und weitere textile Kunstwerke entstanden unter Anleitung der Textilkünstlerin Helga Graupner in der Fördergruppe am Haus für Sorbische Volkskunst. Der Vortrag skizziert ein eindrückliches Lebensbild einer kreativen und engagierten Streiterin für eine qualitätvolle textilkünstlerische Arbeit im Amateurbereich der DDR.
Referentinnen:
- Dr. Dagmar Neuland-Kitzerow, Volkskundlerin, ehemalige Kustodin am Museum Europäischer Kulturen in Berlin
- Petra Helbig, Textilkünstlerin und Kunstpädagogin
Bautzener KammerKonzerte am 28.02.2026 um 19.30 Uhr
Was uns verbindet – Trio al-Andalus
Yara Abou Fakher Violine
Patricia Muñoz Vella Viola
Johann von Ruthendorf Violoncello, Perkussion
Das »Trio al-Andalus« vereint die sanften Klänge eines klassischen Streichtrios mit den würzigen Klangfarben der arabischen Tradition, kraftvollen Rhythmen voller spanischem Flair und zeitgenössischen Elementen aus dem Bereich des Jazz und der Improvisation. Die verschiedenen Einflüsse verschmelzen mit musikalischen Perlen der Volksmusik. Melodien und Rhythmen aus dem Mittelmeerraum werden neu interpretiert und erscheinen in all ihrer Weisheit und Tiefe in einem neuen Licht.
In ihrem Konzertprogramm »Was uns verbindet« begeben sich die drei MusikerInnen gemeinsam mit dem Publikum auf eine Reise von innen nach außen. Gefühlvolle Melodien und feurige Improvisationen verweben sich mit Erzählungen und persönlichen Geschichten. Gemeinsam werden Freude und Schmerz,
Tod und Leben erkundet – und damit das, was den Menschen wirklich ausmacht: das, was uns über alle Ländergrenzen hinweg verbindet. Patricias Heimat, Andalucía, dient für das Trio als Inspiration für das, was möglich sein kann, wenn Menschen miteinander arbeiten.
Stellenausschreibung
Das Sorbische Museum, als eine nachgeordnete Einrichtung des Landkreises Bautzen, sucht für die Stelle der Projektassistenz (m_w_d)_K 2025-176, für das Großprojekt „Sorbisches Wissensforum am Lauenareal“, eine Elternzeitvertretung. Die Bewerbungsfrist endet am 01.03.2026, siehe Onlineformular. Nähere Informationen unter: Jobs und Ausbildungsplätze – Landkreis Bautzen
Ferienprogramm und Sonntagsführung
10.02.2026, 10-12.30 Uhr: Ferienprogramm Hinterglasmalerei
Wie entsteht eine Hinterglasmalerei? Schritt für Schritt lernen wir diese Kunsttechnik kennen und gestalten ein eigenes Bild zum Mitnehmen. Ab 7 Jahren, Kosten 6,50 €, bitte mit Voranmeldung.
22.02.2026 ab 16 Uhr: Thematische Führung am Sonntag
Jeden letzten Sonntag des Monats bietet das Museum eine Führung nach thematischen Schwerpunkten an, um 16 Uhr in deutscher Sprache, anschließend um 17 Uhr in sorbischer Sprache. Die erste Führung zu sorbischen Trachten ist am 22.2.2026 ab 16 Uhr. Wir bitten um Voranmeldung.








