„Z herbstwa Serbstwa | Objekt des Monats“: Kleine sorbische Geige
Dieses Exemplar einer kleinen sorbischen Geige, auch “Schleifer Fidel” oder “Hochzeitsfidel” genannt, wird dem Instrumentenbaumeister Hans Jordan aus Markneukirchen zugeschrieben. Sie wurde nach Entwürfen des Crostwitzer Uhrmachers und Enthusiasten für sorbische Volksmusikinstrumente Jurij Mencl/Georg Menzel (*1903; +1951) angefertigt. Die Signatur am Geigenboden weist als Baujahr 1947 aus.
Mehrere konstruktive Merkmale dieser Geige weichen von der althergebrachten Bauweise ab. Besonders auffällig ist der untypische Steg zwischen den Schalllöchern, welcher offensichtlich einer klassischen Konzertvioline entnommen ist: er verfügt über vier Saitenkerbungen, obwohl eine sorbische Geige nur mit drei Saiten bespannt wird. Es fehlt außerdem das dritte Loch in der Geigendecke, durch welches bei einer traditionellen kleinen sorbischen Geige ein Füßchen des Steges bis an den Innenboden reicht und somit Decke und Boden verbindet. Darüber hinaus ist auf der Unterseite der Geigendecke ein Bassbalken angebracht – eine weitere Annäherung an den Aufbau der klassischen Konzertgeige. Derlei Merkmale spiegeln Menzels Bestreben wider, die traditionellen sorbischen Streichinstrumente baulich und musikalisch zu “vervollkommnen” und somit durch Modernisierung zu bewahren. Damit zeugt dieses Instrument vom Übergang der traditionellen Volksmusikpraxis zur professionalisierten Folklore, welche 1952 in der Gründung des Staatlichen Ensembles für sorbische Volkskultur mündete – ein Jahr nach Menzels frühem Tod.
- Kleine sorbische Geige, Markneukirchen, 1947
- 27 cm x 49 cm
- SM-V-005922



